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Neue CDs von Cesaria Evora, Le tour, Amadou & Mariam

Von Tobias Maier

Cesariaevora Evora: Radio Mindelo
Das neue Album von Cesaria Evora ist eigentlich keines. Ein nicht ungewöhnlicher Kniff im Musikgeschäft. Man veröffentlicht, gerne zur Weihnachtszeit, Rares und frühe Werke von großen Stars. In diesem Fall eben von Cesaria Evora, der großen Stimme der Kapverden, die überhaupt erst im reifen Alter zu einem Weltstar wurde, nachdem sie über Jahre in Kneipen und Nachtclubs ihrer Heimatstadt Mindelo auf der Insel Sao Vicente gesungen hatte.

Der Zufall schickte Ihr 1987 den französischen Exil-Kapverdianer und Produzenten Jose da Silva, da war sie 47 Jahre alt, und dem gelang es Cesaria Evora, trotz ihres Alters, trotz ihrer unzeitgemäßen Erscheinung, zur Marke zu machen. Die barfüßige Diva von einem verloren Eiland im Atlantik. Die Königin der traurigen Mournas. Bei allem Marketing, die Stimme von Cesaria Evora ist die Basis ihres Erfolgs und diese Stimme ist einmalig leicht, eindringlich und unbestimmt jugendlich.

Die tatsächlich jugendliche Cesaria Evora war lediglich eine lokale Größe auf den Kapverden – immerhin so bekannt, dass sie mit Anfang 20, in den frühern 60er Jahren des letzten Jahrhunderts vom lokalen „Radio Barlavento“ zu Sessions eingeladen wurde. Und genau diese alten Aufnahmen sind nun auf dem neuen Album „Radio Mindelo“ zu hören. Nur einige dieser Titel wurden damals als 45er Platte veröffentlicht, aber selbst die sind nicht mehr zu finden – insofern darf man von bislang unveröffentlichtem Material sprechen.

Radio Mindelo ist ein Album für Fans und für Klangnostalgiker. Alle Lieder klingen etwas angestaubt, dafür ungemein charmant und man hört eben, dass die junge Evora bei aller Ähnlichkeit, doch anders klingt als die Stimme des späteren Weltstars Evora. Interessant ist dabei auch, dass die meisten Lieder immer noch bekannt sind, die Cesaria vor 40 über Jahren eingesungen hat. Es sind ihre späteren Welthits, wie Nutridinha, Mar Azul oder Sangue de Beirona. Das aufwändige Booklet macht dieses Sammlerstück zusätzlich attraktiv.

Various: Le Tour 4
Die „Le Tour“ Kompilationen kreisen generell um neue Pop-Musik aus Frankreich, etwas enger gefasst, um die neue alternative Popmusik, gern auch Nouvelle Chanson genannt, aber auch Hip Hop oder Elektronik fehlen nicht.

Wer nicht schon Spezialist ist, für den sind die bisherigen Le Tour Alben und auch das neue, eine Entdeckungsreise durch die aktuelle französische Musikszene. Der einzig wirklich bekannte Name auf dieser vierten Ausgabe ist Benjamin Biolay, alle anderen Künstler sind hierzulande kaum in Erscheinung getreten. Und das macht auch den Reiz dieser Serie aus, die von einem echten Insider gemacht wird, vom Kölner Journalisten und DJ Thomas Bohnet, der mit seiner Clubreihe „Le Tour de France“ auch regelmäßig Station in Berlin macht.

Dieses Mal lernen wir z.B. den Elektroniker Pascal Houbert kennen, die HipHopper Vieille Ecole, Olivier Libaux von Nouvelle Vague oder ein Soloprojekt des Sängers von Mickey 3D. Wie gesagt, diese Namen muss man nicht kennen, aber die Musik, die diese französischen Künstler anbieten, die will man gerne kennen lernen.

Und es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr sich die französische Art Popmusik zu machen, von der Deutschen z.B. unterscheidet, wie fragil, experimentell und unkonventionell es im Franco-Pop zugehen kann und darf. 

Amadou et Mariam: Welcome to Mali
Das neue und fünfte internationale Album des blinden Ehepaares aus Bamako steht nicht für Revolution, aber immerhin für Evolution. Im Prinzip präsentiert es Amadou et Mariam, wie wir sie kennen und lieben. Erdiger City Blues, Proto-Rock’n’Roll mit diesen typischen Gitarrenriffs und mit den typischen Melodien, an denen man die Herkunft von Amadou et Mariam in Mali erkennen kann.

Das ist das eine, dann gibt es aber auch ein paar neue Sounds zu entdecken und das liegt vor allem an den Gästen und Mitmusikern auf diesem Album. Das letzte Mal war Manu Chao für die Produktion von „Dimanche a Bamako“ verantwortlich, jetzt war es u.a. Damon Albarn, der Gitarrist von Blur, Mastermind der Gorillaz und mittlerweile einer der großen Förderer afrikanischer Musik. Er hat auf der Single „Sabali“ einen eher psychedelischen Rocksound mitgebracht. K’naan ist dabei, ein Rapper aus Somalia und auch Keziah Jones, der Star aus London, der eigentlich Olufemi Sanyalou heißt und in Nigeria aufgewachsen ist.

Die Songs sind dadurch insgesamt abwechslungsreicher und verspielter als früher und auch ein bisschen langsamer und balladesker. Aber die Basis bleibt. Treibender Afro-Blues ohne Schnörkel. Einmalig!

© 2007 Rundfunk Berlin-Brandenburg

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